Teil 1: Australisches Outback! Warum ich kein Fan bin.

Frösche

Die Toilette der Jungs.

In Australien ist alles teuer, wirklich alles. Um nicht meine gesamten Ersparnisse auf den Kopf zu kloppen, musste ich mir einen Job suchen. Einen, bei dem ich -in kürzester Zeit- viel verdiene und keine Möglichkeit habe das Geld in Unsinnigkeiten zu investieren. Ab ins Outback. Die Suche nach einem geeigneten Job war kein Zuckerschlecken. Nach einem Monat hatte ich die Schnauze voll! Ich habe schließlich einige Dollar investiert und mich bei einer Agentur registriert, es dauerte nicht lange und ich wurde fündig. Eine Woche später saß ich im Flugzeug Richtung Townsville. Luftlöcher ohne Ende, wie ein Schweizer Käse! Der schlimmste Flug meines Lebens. Heute denke ich, dass die Turbulenzen vielleicht für ein Zeichen standen: „Madlien, lass es, bis hier und nicht weiter!“. Danach folgten acht Stunden Busfahrt nach Julia Creek in Queensland, dort hat meine künftige Chefin mich in Empfang genommen und ist mit mir weitere vier Autostunden über dröges Land gebrettert.SDC18911 Ein kleiner Einblick in die harmonische Familienidylle: Die Hausherrin, eine kleine Italienerin, hatte eine ganz bestimmte Vorstellung davon, in welchem Rhythmus ich den Lappen zu schwingen habe. Wenn sie, in einer nicht definierbaren Tonlage, meinen Namen über das gesamte Gehöft rief, leuteten bei mir alle Alarmglocken. „Maadeeeliiiine“, die Vokale so lang gezogen wie irgend möglich. Etwa, Miss Piggy auf Drogen. Furchtbar! Der Herr des Hauses hat mich ziemlich oft zur Weißglut getrieben! Einmal wollte er mir tatsächlich weiß machen, die Cowboys seien die Erfinder der Jeans. Das älteste der drei Kinder, wollte sich nach dem Toilettengang nicht alleine abputzen, es sei ekelig. Das Kind war damals neun Jahre alt! Irgendwie lebte diese Familie in einer ziemlich merkwürdigen Welt, im Niemandsland halt. Jeden Tag gab es Fleisch, gegrillt, gebraten, geschmort! Sogar mein Zahnfleisch hat unter der ganzen Fleischkauerei gelitten, zum Glück hatte die Herrin Nelkenöl in ihrem Arztköfferchen. Um den Vitamin C Haushalt am Leben zu erhalten, gab es Äpfel und Orangen, portioniert versteht sich, man sollte Bescheid sagen, wenn man sich bediente. Es gab gefiltertes Regenwasser zu trinken, das farblich einem, mit Wasser verdünnten Apfelsaft glich. Die Milch war ein Gebräu aus Milchpulver und besagtem Regenwasser. Meine Unterkunft für die Zeit war ein kleines, freistehendes Häuschen! Das Badezimmer war draußen, über eine kleine Treppe zu erreichen.

In der Duschkabine saßen zwei Minifrösche, jeden Tag auf´s Neue. Zum Glück konnte ich sie mit meinen Latschen unversehrt nach draußen befördern. Das war leider nicht so einfach mit den neongrünen Baumfröschen, die es sich unter dem Rand meiner Kloschüssel gemütlich gemacht haben. Sobald ich den Hahn in der Dusche aufdrehte und das Wasser auf die Fliesen plätscherte, waren die Frösche ganz beflügelt und veranstalteten zum Dank ein Konzert feinster Klänge. Im Ernst, welche Frau setzt sich freiwillig auf so ein Klo? Ich hatte Angst, sie würden mir irgendwann an der Arschbacke kleben. Sobald es dämmerte glich der Boden einem Teppich aus fetten Kröten! Es ließ sich nicht verhindern ab und an eine mit dem Fuß zu erwischen. Die Tiere sind super robust, meine Haut hingegen hat es mir ziemlich übel genommen! Dank einer Flüssigkeit, die von den Kröten abgesondert wird, waren meine Füße mit Ausschlag dekoriert.

Die Kakerlaken fand ich nicht so schlimm, die Dinger sind einfach so herrlich dämlich. Früher oder später gewöhnt man sich eh dran, sie sind einfach überall. Die Monsterspinne hingegen, die ich fälschlicherweise für einen Skorpion gehalten hatte und mich deswegen irgendwie gefreut hatte, hat mich für einen kurzen Moment in eine Art Schockzustand versetzt. Ich stand starr auf dem Bett, habe geschwitzt, gezittert und geheult. Dummerweise hatte mein „Retter in der Not“ daneben geschlagen, so lief sie in Windeseile über meinen Fußboden und wir konnten uns an des Ungeheuers voller Pracht erfreuen. Einmal die Woche hat mein Zimmer eine Grundreinigung bekommen, ich habe sogar die Betten, samt Gestell umgedreht und abgesaugt, damit keine einzige Insektenart die Möglichkeit hatte sich anzusiedeln.

Im zweiten Teil erzähle ich von meinen Aufgaben auf der Farm und von Begegnungen mit Fleischameisen und den hässlichsten Hühnern die ich je gesehen habe.

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9 Gedanken zu “Teil 1: Australisches Outback! Warum ich kein Fan bin.

  1. Yasmin Weber schreibt:

    OMG! Dein Bericht bestätigt ein ähnliches Erlebnis einer meiner Freunde. Er kommentierte seinen Australien-„Trip“ so: „Sobald Du die Zivilisation verlässt, brauchst Du 3 Dinge: Eine Knarre, Sagrotan mit LSF-Faktor 100 und den Willen, zu überleben“. Ich bin gespannt auf Teil 2! 🙂

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  2. Yasmin Yeber schreibt:

    OMG! Dein Bericht bestätigt ein ähnliches Erlebnis einer meiner Freunde. Er kommentierte seinen Australien-„Trip“ so: „Sobald Du die Zivilisation verlässt, brauchst Du 3 Dinge: Eine Knarre, Sagrotan und Sonnenschutz LSF-Faktor 100“. Ich bin gespannt auf Teil 2! 🙂

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  3. Renate schreibt:

    Ja, im Niemandsland ist Platz für Outlaws aller Arte, was es eigentlich für mich sympathisch macht. Frösche finde ich im Prinzip noch süß, jedoch nicht auf der Toilette. Ich hätte mehr Angst vor den ganzen Insekten wie die Spinne! Ihh. Das mit den giftigen Kröten habe ich im Fernsehen gesehen. Die wurden in Australien eingeschleppt und sind eine Landplage geworden. Man versucht sie zu beseitigen, es sind aber zu viele.

    In Australien war ich noch nie, steht auf meiner Liste, sehen wir mal.

    Lieben Gruß
    Renate

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    • Madlien schreibt:

      Es gibt leider noch einige andere Tierarten, die eingeschleppt wurden und sich zu einer „Plage“ entwickelt haben. Das Land hat viele, schöne Ecken zu bieten, für mich gehört das Outback jedoch nicht unbedingt dazu, zumindest nicht so wie ich es kennen gelernt habe.

      Liebe Grüße,
      Madlien

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