Teil 2: Australisches Outback! Warum ich kein Fan bin.

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Man kann sagen, ich war Mädchen für fast alles. Ich habe sauber gemacht, mich um das Essen und den Garten gekümmert und die Tiere gefüttert.

Es gab einen Putzplan den ich zu befolgen hatte, so war zum Beispiel Mittwoch der Tag, an dem ich das Gästehaus reinigen sollte. Da in der ganzen Zeit, die ich auf der Farm verbrachte, keine Menschenseele zu Besuch kam, war das meistens schnell erledigt. Ich musste lediglich die vertrockneten Körper einiger Frösche entfernen. Im Schnitt waren es drei pro Woche.

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Das Herrenhaus mit Veranda.

Donnerstags widmete ich mich der Veranda. Vorher aber, musste ich die Steine, die den Weg zur Küche pflasterten, von Fledermausexkrementen befreien. Wie Aschenputtel, kniete ich mit einer alten Holzbürste in der Hand auf dem Boden und habe geschrubbt, was das Zeug hält! Ich brauchte etwa drei Stunden um die recht große Veranda von Spinnweben zu befreien, den Vogeldreck vom Geländer zu kratzen und den Boden zu wischen. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich grade damit fertig war und ein gewaltiger Sturm aufzog. Möbel und Spielzeuge flogen durch die Gegend, Bäume fielen um, sowas hatte ich vorher noch nie gesehen. Meine Chefin hat mir nicht mal mehr erlaubt meine Kamera zu holen, es war zu gefährlich. Nach diesem großartigen Spektakel durfte ich die Veranda doch tatsächlich noch einmal putzen! Beschäftigungstherapie.

Während ich täglich meinem Aufgabenplan folgte, musste ich mich nebenbei um die Bewässerung der großzügig angelegten Grasflächen kümmern. Alle dreißig Minuten klingelte der Wecker, den ich stets bei mir trug, dann war es Zeit, den Sprinkler um fünf Meter zu versetzen. An sich war das gar nicht so schlecht! Ich habe das Wasser einfach nicht abgestellt, so konnte ich den Schauer als kurze Abkühlung nutzen. Bei fast 40 Grad nimmt man was man kriegen kann.

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Torweg.

Es waren aber nicht nur die Grünflächen um dessen Bewässerung ich mich zu kümmern hatte, sondern auch die kleinen Bäumchen mit pinkfarbenen Blüten, die den Torweg verzierten. Strohhalm-dicke Leitungen, die jeden einzelnen Baum mit Wasser versorgen sollten, lagen knapp unter der Erde. Meine Aufgabe war es, die Düsen dieser Leitungen mit der Spitze einer Sicherheitsnadel von Dreck zu befreien, damit das Wasser anständig fließen konnte. Dafür musste ich mir aber erstmal den Weg durch die Heuhaufen, die zum Schutz der Wurzeln dienten und gleichzeitig ein Mekka für Brown Snakes waren, bahnen. Genau an dem Tag, an dem ich für etwas anderes gebraucht wurde und deswegen meine Kollegin den Part für mich übernahm, hat sie zwei kleine Brown Snakes getötet. Ich möchte nicht wissen wie oft so ein Ding neben mir saß und darauf gewartet hat zuzubeißen. Für alle Vegetarier und Veganer an dieser Stelle, wenn die Möglichkeit besteht im Niemandsland von so einem Tier gebissen zu werden, fackelt man nicht lange. Auge um Auge.

Die Aufgabe, die ich an jenem Tag stattdessen erledigen musste, war nicht unbedingt schöner, dafür aber weniger gefährlich. Auf der Rückladefläche eines Pickups musste ich mit einigen Kollegen, das Fleisch von vier kürzlich erlegten Rindern zerteilen. Ich habe mich nicht geekelt und ich war mir auch nicht zu schade dafür. Andere Länder, andere Sitten. Mein Chef hat mich das mit Sicherheit extra machen lassen, um mich zu ärgern, er dachte wahrscheinlich ich würde bei so einer Arbeit durchdrehen oder über der Kloschüssel hängen.  Am Ende sagte er mit arrogantem Unterton und einem listigen Lächeln: „You did well!“, ich habe nur gelacht und mir meinen Teil gedacht.

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Kommen wir zu den hässlichen Hühnern! Im Gehege waren nicht nur die Hühner und Hähne zu finden, sondern auch Krähen! Sie kamen durch die -nicht grade kleinen- Löcher im Zaun herein, konnten den Weg nach draußen aber nicht wieder finden. Neben den Essensresten vom Vortag, bekamen die Tiere auch ein Trockenfutter. Das befand sich in einer alten rostigen Tonne im Schuppen. Ein wunderbarer Platz für ein paar Kakerlaken-Familien. Wenn ich also mit meinem Oberkörper in der Tonne verschwand um das Futter rauszuholen, sind sie wie die Idioten im Kreis gelaufen, nicht nach oben um raus zu kommen, nein, immer rings herum!

Die Leute dachten wirklich die Hühner würden alles fressen. Sogar die Gebeine von Rindern. Als ob! Es waren die Fleischameisen, die sich darüber hermachten. Nicht nur über die Rinderbeine sondern auch über meine, danach wusste ich dann auch was Fleischameisen sind. Niemals habe ich hässlichere und unfreundlichere Hühner und Hähne erlebt als die auf der Farm. Als ich gegen Ende meiner Zeit dort, einen Tag komplett alleine auf der Farm war und grade die Tür vom Gehege hinter mir schloss, ist mir das Lied „Ich will nen Cowboy als Mann“ in den Kopf geschossen, ich blieb stehen und sagte kopfschüttelnd, laut: „Niemals!“. Gitte Haenning muss besoffen gewesen sein, als sie diesen Songtext schrieb.

Im dritten und letzten Teil geht es um die Treibhunde, meine Freizeit auf der Farm und mein Fazit.

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4 Gedanken zu “Teil 2: Australisches Outback! Warum ich kein Fan bin.

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