Teil 3: Australisches Outback! Warum ich kein Fan bin.

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Die Speisekammer war bis zum Anschlag mit allerlei ungesundem Fraß gefüllt. Die Frau hat gemausert und aufgepasst, dass alles seinen ordnungsgemäßen Gang geht. Wie ich schon im ersten Teil erwähnt habe, sollten wir Bescheid geben, wenn wir uns am Obst bedienten. Zum Frühstück gab es Toastbrot, Marmelade und Weetabix. Das Toastbrot war weißer als weiß, demnach frei von sämtlichen Nährstoffen, eigentlich hatte es die Bezeichnung „Brot“ gar nicht verdient. Theoretisch konnte man sich eine halbe Packung einverleiben, ohne wirklich satt zu sein. Mittags gab es in etwa das Gleiche, dazu die Reste vom vorigen Tag. Am Abend dann eine Auswahl an Fleisch, in sämtlichen Formen und Farben.

Waschmittel, Bier und Schokolade konnte ich meiner Chefin abkaufen, davon hatte sie massig gelagert. Die meisten Backpacker schreien früher oder später nach etwas Genuss und Luxus. An Waschmittel hatte ich nun wirklich nicht gedacht, als ich mich für den Aufenthalt auf der Farm, mit Shampoo und Co. eindeckte. Bei guten fünf Kilo mehr im Rucksack, war ich felsenfest davon überzeugt, nichts vergessen zu haben!

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Obwohl mir ihr Anblick so einige Male das Kinn hat bibbern lassen, waren die Treibhunde meine besten Freunde auf der Farm. Anscheinend ist es nicht üblich, ihnen ein angemessenes Maß an Aufmerksamkeit zu schenken. Die Tiere hatten leider die Arschkarte. Obwohl es mehr als genug Platz gab, wurden sie nebeneinander, in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Eigentlich durfte ich die Hunde nicht rauslassen, zumindest nicht wenn ich alleine war, da ich aber meiner Rolle als rebellierende, deutsche Göre mehr als gerecht wurde, ging mir das ziemlich genau am Allerwertesten vorbei! Ich habe jede Möglichkeit genutzt, sie über den Hof zu jagen und mit ihnen zu spielen, sogar Sonntags, an meinem freien Tag!

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Was passiert eigentlich mit dem Müll der sich so ansammelt? Wohin damit im Outback? Natürlich auf die private Müllhalde, ein paar Kilometer querfeldein. Ganz im Sinne der Umwelt.

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Die hauseigene Müllhalde.

In meiner Freizeit habe ich mich in mein Zimmer eingeschlossen, Filme geguckt, Emails beantwortet oder gelesen. Ich hatte wirklich kein Interesse daran, mit den Kindern zu spielen oder in dem Motterloch -welches sie „See“ nannten- baden zu gehen, ich bin dort nur hingegangen um mit den Hunden zu spielen. Sonntags war der einzige Tag an dem ich hätte ausschlafen können, wären da nicht die Pfaue gewesen, die morgens um 6:00 Uhr anfingen, Limbo-Partys auf meinem Blechdach zu veranstalten!

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Der milchig-graue Streifen im Hintergrund des Zaunes ist das Motterloch!

Im Schnitt habe ich an fünfeinhalb Tagen in der Woche, jeweils etwa zehn Stunden gearbeitet. Zum Feierabend habe ich es mir meistens mit einem Bier und einer Zigarette auf der Treppe meiner kleinen Villa gemütlich gemacht, bevor ich den Kampf mit den Fröschen aufnahm, um mir die drei Kilo Dreck und Schweiß vom Körper zu waschen. Das Bier glich farblich dem Trinkwasser, irgendwie hellgelb! Ein deutscher Durchschnittsbiertrinker würde höchstwahrscheinlich laut loslachen, wenn er das gute australische Lager, das mir zur Verfügung stand, probiert. Ein kühler Hauch von nichts. Aber immerhin kühl!

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Als ich meiner Chefin mitteilte, dass ich die Farm verlassen möchte, weil ich einfach keine Lust mehr hatte, mich noch länger mit ihrem Göttergatten rumzuärgern, fand sie das natürlich nicht so gut, schließlich hätte ich noch weitere fünf Wochen in der Hölle schmoren sollen! Trotzdem hatte ich das Gefühl, sie würde es verstehen. Ich meine, sie wird ja am besten gewusst haben, wen sie da geheiratet hat!

Die langen Arbeitstage bei gefühlten hundert Grad im Schatten waren gar nicht das Problem. Es waren viel mehr die Kröten, meine Arbeitgeber und die dermaßen bekloppten Aufgaben die ich zum Teil hatte. Das Interesse am Uluru hatte ich verloren. Die australische Wüste war einfach nichts für mich, schon gar nicht verbunden mit Arbeit. Ich hatte genug, die Sehnsucht nach frischer Luft, dem Ozean und halbwegs gesundem Essen war zu groß! Die Sonnenuntergänge und der Horizont mit seiner endlosen Weite im Outback konnten daran auch nichts ändern.

Wenn ich heute darüber nachdenke, bin ich unendlich dankbar, denn diese 50 Tage waren die beste Schule meines Lebens. Ich bin an Grenzen gestoßen, von deren Existenz ich nicht mal wusste! Wer weiß, wenn ich bei einer anderen Familie gelandet wäre, hätte ich vielleicht sogar irgendwie Gefallen an der Arbeit und dem Leben auf der Farm gefunden. Sicher gibt es viele andere Leute die mehr Glück mit ihren Arbeitgebern haben oder sich einfach besser mit der ganzen Sache identifizieren können.

Die Zeit, die ich in anderen Ecken Australiens verbracht habe war toll und zeigte mir ein völlig anderes Bild vom roten Kontinent. Ich habe verrückte Dinge gesehen und erlebt. Wenn mir heute jemand einen Job in Melbourne anbieten würde, auf den ich Bock hätte, würde ich dort sofort hinziehen! Nur eben nicht ins Outback!

 

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